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Antikisierende Bildhauerarbeiten am Renaissanceschloss

Innenbereich der Zitadelle in der Schlossstraße

„Renaissance“ bedeutet Wiedergeburt. Programmatisch für die Epoche sind der Rückgriff und die Überhöhung der griechischen und römischen Antike als idealisiertes Zeitalter in Abgrenzung zum Mittelalter.

Dementsprechend hat der italienische Architekt der Zitadelle, Alessandro Pasqualini, bei dem Bau der Schlossfestung ab 1548 zahlreiche Bauelemente verwendet, die sich eng an die Antike anlehnen. Einige davon haben die Jahrhunderte überdauert und sind noch heute zu bestaunen. Grundsätzlich knüpft der Bau mit seinen monumentalen Kellergewölben und den Fassadengliederungen mit wechselnden Ziegel- und Natursteinlagen an römische Bautraditionen an, wie sie sich beispielsweise in erhalten Trier hatten.

Über dem stadtseitigen Portal im Inneren der Zitadelle prangt das reich ornamentierte Relief mit der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Ceres. Ihre Attribute sind Fruchtschale und Ährenbündel und sie wird flankiert von Füllhörnern, die Reichtum und Fülle der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg und des Bauherren Herzog Wilhelms V. repräsentieren. Gegenüber deuten zwei Postamente das ehemalige Südtor zum Innenhof des Schlosses an. Die Sockel sind mit Trophäen gestaltet, die in antiker Manier erbeutete Waffen zur Schau stellen.

Die Schlosskapelle ziert außen ein Fries mit Bukranien- und Triglyphensteinen als Teil der dorischen Ordnung des Fassadenschmuckes im Erdgeschoss. Die bekränzten Stierköpfe verweisen auf antike Opferriten, die als Zierelement von griechischen und römischen Tempeln für den Bau einer christlichen Kapelle passend erschienen. Die drei Geschosse der Schlosskapellenfassade gliedern Pfeiler und Säulen mit dorischen, ionischen und kompositen Kapitellen nach antiken Vorbildern. Auch das Innere der Schlosskapelle ist mit einem Fries aus Triglyphen und Bukranien gestaltet sowie Säulen ionischer Ordnung im Piano nobile.

Alle antikisierenden Bauelemente sind in der Museumsaustellung im Schlosskeller anhand von Abgüssen im Detail zu betrachten. Eine virtuelle Rekonstruktion macht die einstige Schlossanlage mit ihrer Antikenrezeption erlebbar: https://bit.ly/juelich-virtuell

Interessant zu wissen

Erstes Foto: Portal mit Ceres-Relief
Zweites Foto: Traphäensteine innen
Drittes Foto: Schloßkapellenfassade
Viertes Foto: Detail Schlosskapelle
Fünftes Foto: Susanne in der virtuellen Welt
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