Unter dem Kunstrasen verbirgt sich ein monumentales römisches Gebäude

Autor: Harry Lindelauf
Fotografie: Harry Lindelauf

Vor einem Jahr erregte Heel Heerlen Graaft! nationale Aufmerksamkeit. Wir besuchten Teilnehmer Peter Soudant. In seinem Innenhof am Tempsplein liegt die „Grabungsgrube 22“, verborgen unter Kunstrasen. Damals eine sprichwörtliche Goldgrube, heute eine Einladung an Archäologen, weiterzugraben. Denn Peter kann es kaum erwarten, bis die Archäologen zurückkehren.

„Ich hasse Kunstrasen, aber der große Vorteil ist, dass ich ihn in einer Minute aufgerollt habe“, erklärt Peter Soudant lachend. Er würde die grüne Matte gerne durch einen roten Teppich ersetzen – für weitere Forschungen zur römischen Geschichte, die unter seinem Haus verborgen liegt. „Wenn Heel Heerlen Graaft! eine Fortsetzung bekommt? Sehr gerne – grabt im Innenhof oder meinetwegen im Keller. Ich würde sagen: be my guest.“

Foto: Peter Soudant: ‘„Die Grabungsgrube habe ich wieder zugeschüttet. Erde hinein, ein paar falsche Münzen und ein paar Eurostücke. Einfach, um die Archäologlein der Zukunft ein wenig zu ärgern.“

Harte Arbeit

Im September 2023 sind die Erwartungen – ebenso wie die Außentemperaturen – enorm hoch. Es herrschen 32 Grad, und Großvater Guus, Vater Gaston und Tochter Emma Jamin aus Maastricht haben sich als freiwillige Grabhelfer bis auf 80 Zentimeter Tiefe vorgearbeitet.Es ist harte Arbeit, doch Grabungsgrube 22 liefert bereits zwanzig Eimer Erde mit römischen Bruchstücken von Dachziegeln, Fliesen und Keramik. Insgesamt sammeln sie 328 Funde, darunter einen großen geschmiedeten Nagel.

„Eine absolute Überraschung“

An diesem Sonntagmorgen kommt die „absolute Überraschung“ von Heel Heerlen Graaft! ans Licht: Unter einer 40 Zentimeter dicken Schicht römischen Bauschutts erscheint ein zwei bis drei Zentimeter starker Boden aus römischem Kalkmörtel. Archäologen, Grabhelfer, Interessierte und Hofbesitzer Peter Soudant strahlen. Was für ein Fund!

Der Boden gehört nach Ansicht der Archäologen zu einem „monumentalen“ Gebäude. Das Ausmaß zeigt sich an den gemauerten Fundamenten, die nicht weniger als 2,50 bis 2,80 Meter breit sind. Reste dieser Fundamente wurden bereits 1927 entdeckt, zusammen mit einigen Bausteinen. Diese Blöcke aus Naturstein passen eindeutig zu einem monumentalen Bauwerk.

Das Gefühl sagt: ein Tempel

Doch das große Rätsel bleibt: Was war das für ein Gebäude? Wofür haben die Römer es genutzt?
Peter Soudant: „Für mich gibt es drei Möglichkeiten: Entweder war es ein Lager, oder eine Art Schmiede/Waffenfabrik – denn hier wurden auch Metallschlacken gefunden. Oder es war ein Tempel. Ich verstehe, dass Karen Jeneson und Gerard Tichelman mit ihren Aussagen vorsichtig sind. Sie suchen als Archäologen nach Beweisen, und genau das macht sie zu echten Wissenschaftlern. Ich selbst bin kein Wissenschaftler, deshalb wage ich zu sagen: Mein Gefühl weist auf einen Tempel hin, auf das Sakrale und das Andächtige, das dort stattgefunden hat.“

Dieses Gefühl kommt für Peter Soudant nicht aus dem Nichts: „Beim Kauf dieses Hauses habe ich mich von meinem Gefühl leiten lassen. Als ich es zum ersten Mal besichtigte, war das Haus stark heruntergekommen. Aber trotzdem fühlte es sich sehr gut an. Ich wusste, dass an diesem Ort mehr im Spiel war. Was genau, das wusste ich nicht. Und jetzt stellt sich heraus, dass mein Haus am Tempsplein steht – für niederländische Verhältnisse eine römische Goldgrube.“

Foto: Ein Jahr später: Kunstrasen und Sitzecke über der Grabungsgrube 22.

Dieses Geheimnis muss gelüftet werden

Nach diesem einen Quadratmeter im September 2023 würden die Archäologen nur allzu gern weiter im Innenhof von Peter Soudant graben – der Spur des römischen Mörtelbodens folgen und vielleicht weitere Reste des großen Bauwerks freilegen. Die Spannung und Aufregung von damals ist noch immer spürbar, nun begleitet von einer wachsenden Neugier auf das römische Erbe, das unter seinem Haus verborgen liegt: „Ich will wissen, ob mein Gefühl stimmt – war es tatsächlich ein Tempel oder doch nur eine einfache Werkstatt? Dieses Geheimnis muss gelüftet werden. Also, von mir aus sehr gerne, sie sind herzlich willkommen. Ich glaube, hier steckt noch sehr viel im Boden.“

Foto:

Foto: Dieses Fragment einer römischen Dachziegel lag nur knapp unter der Oberfläche im Garten von Peter Soudant.

Archäologie auf einem Quadratmeter

Es war Archäologie auf – buchstäblich – einem einzigen Quadratmeter. Die Aktion Heel Heerlen Graaft! brachte am Samstag, den 9., und Sonntag, den 10. September 2023 Dutzende Freiwillige auf die Beine, die unter Anleitung von Archäologen 22 Grabungsgruben ausgehoben haben. Ziel: die ursprüngliche Bodenschicht zu erreichen, auf der die Römer vor 2.000 Jahren lebten. Heel Heerlen Graaft! stellte sofort einen Rekord auf: Es war die größte archäologische Suchaktion in den Niederlanden, die gemeinsam mit Bürgern durchgeführt wurde.

Die Inventarisierung der „Ernte“ von Heel Heerlen Graaft! zeigt eine römische Gewandnadel (Fibula), zahlreiche Baumaterialien (Dachziegel, Mörtel, Fliesen) sowie die Kalkmörtelschicht in der Grabungsgrube bei Peter Soudant. Die Ergebnisse der sedaDNA-Analyse von Bodenproben aus der römischen Schicht sind noch nicht veröffentlicht. Publiziert wurde jedoch bereits ein Buch über die Erfahrungen der Teilnehmer von Heel Heerlen Graaft! – mit einem netten Detail: Das grafische Design des Buches stammt von Peter Soudant.

Foto: In der Grabungsgrube bei Peter Soudant wurden Bodenproben für eine sedaDNA-Analyse entnommen.

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