555

Taufkapelle (Domhof) – Schichten römischen und mittelalterlichen Lebens

Taufkapelle, Aachen

Der Name Aquae Granni, der römische Vorläufer des heutigen Aachen, verweist auf den größten Schatz der Stadt: ihre heißen Quellen! Dem mineralhaltigen Wasser wurden schon früh heilende Kräfte zugeschrieben. Granni bezieht sich auf Grannus, eine gallische Gottheit, die mit Gesundheit und Heilung in Verbindung gebracht wurde. Die frühesten Thermenanlagen datieren um die Zeitenwende. Von Anfang an planten die Römer Aachen in großzügigem Maßstab: Bereits bei seiner Gründung besaß der Ort den Charakter einer echten Stadt – mit einer Fläche von 30 Hektar, Holzhäusern, Thermenanlagen und sogar einem steinernen Badgebäude mit Ziegeldach.

 

Eine Stadt wächst um ihre Thermen

Zu Beginn des 2. Jahrhunderts erlebte Aquae Granni eine umfassende Stadterneuerung. Möglicherweise beabsichtigte Kaiser Trajan, den Vicus zur regionalen Hauptstadt zu erheben – eine Annahme, die durch gestempelte Ziegel und eine Inschrift mit seinem Namen gestützt wird. Die ursprünglichen Thermen wichen einem monumentalen Platz von mehr als 6.000 Quadratmetern, auf dem sich vermutlich ein Forum und ein Tempel befanden. In der gesamten Stadt entstanden neue, monumentale Thermenkomplexe.

Aquae Granni entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kurorte des Römischen Reiches und war das einzige größere Heilbad in der Provinz Germania Inferior.

 

Kontinuität im Taufkapelle

Die römischen Grundlagen der Stadt prägten das urbane Leben über Jahrhunderte hinweg – sichtbar wird dies am Baptisterium auf dem Domhof. An der nördlichen Außenwand des Baptisteriums ist ein Fragment eines römischen Grabmonuments aus dem 2. Jahrhundert in das Mauerwerk eingelassen. Im Untergeschoss der Kapelle brachten Ausgrabungen römische und mittelalterliche Bauten sowie mehrere Siedlungsschichten zutage, die heute als Archäologische Zone erhalten sind.

Obwohl der Zugang derzeit auf Führungen beschränkt ist, ist eine digitale Präsentation geplant, um den Ort einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Baptisterium veranschaulicht, wie die römischen Stadtstrukturen Aachens den Rahmen für die mittelalterliche Entwicklung bildeten und nahezu zwei Jahrtausende kontinuierlicher Besiedlung und nachhaltigen Einflusses widerspiegeln.

 

Das römische Aachen auf der VIA VIA-Route entdecken, 2027

Die Taufkapelle ist eine von zehn Stationen der VIA VIA-Route durch das römische Aachen, die die Ausstellung im Centre Charlemagne mit sichtbaren archäologischen Zeugnissen im Stadtgebiet verbindet. Entlang des Rundgangs begegnet man Spuren römischer Mauern, Fußböden, Thermenanlagen, Foren und spätantiker Befestigungen.

Informationstafeln, Videos und römische „Figuren“ liefern ergänzende Erläuterungen. Orte wie das Baptisterium zeigen eindrucksvoll, wie das faszinierende römische Erbe Aachens bis in das Mittelalter fortwirkte.

 

Sind Sie bereit, einen Spaziergang zu machen?

“„Die Stadt riecht nach faulen Eiern“, verzieht Julia das Gesicht. Meine Tochter hat recht. Die Thermen von Aquae Granni mögen heilend sein, doch ihr schwefeliger Gestank ist kaum zu ertragen. Die Badegäste scheint das allerdings nicht zu stören. Unser Wagen bewegt sich nur im Schritttempo vorwärts durch eine Menge schlurfender Menschen und hoch mit Holz beladener Karren. „Das meiste ist für die Bäder“, sagt ein dunkelhäutiger Mann, der neben uns hergeht. „Jeden Tag verschlingen die Thermen und die Fußbodenheizungen der Reichen ein weiteres Stück des Waldes. Die Bäder heilen den Körper, aber nicht die Natur“, seufzt er, bevor er wieder im Gedränge verschwindet. Quintus Iulius ist auf die Idee gekommen, das Quellwasser abzufüllen und auf den Märkten von Germania Inferior zu verkaufen. Ich persönlich freue mich einfach darauf, für ein paar Stunden in das warme Wasser zu gleiten – und mit Menschen aus allen Ecken des Reiches ins Gespräch zu kommen. Vielleicht schnappe ich sogar Neuigkeiten über die Lage in Rom auf. In diesem Jahr scheinen sie dort alle paar Monate den Kaiser zu wechseln. Mord und Enthauptung – nicht einmal das heilsamste Wasser kann so etwas abwaschen.“ – Ammulva Iucunda

Interessant zu wissen

Das Ausgrabungsfoto der archäologischen Überreste stammt vom Stadtarchäologen Andreas Schaub.

Kontakt

Webseite des Centre Charlemagne