Weltweite Aufmerksamkeit für die Erforschung des Heerler Spielsteins.

Autor: Harry Lindelauf
Fotografie: Het Romeins Museum, Restaura

Von der Fachzeitschrift Antiquity bis zur Kuwait Times und fast allem dazwischen: Das römische Brettspiel aus Heerlen wurde Anfang 2026 zu einer weltweiten Sensation. Der Grund für diese enorme Aufmerksamkeit war der Einsatz von künstlicher Intelligenz und fortschrittlicher 3D-Fotografie bei der Suche nach den Spielregeln.

Im Mittelpunkt steht ein Kalksteinblock von 21 × 14,5 × 7 Zentimetern. Die Ober- und Unterseite des 3,3 Kilogramm schweren Steins sind flach, und auf der Oberseite sind vier schräge sowie eine gerade Linie eingeritzt. Der Stein stammt aus der Zeit zwischen 300 und 500 n. Chr. und wurde in Heerlen gefunden. Wo, wann und von wem er entdeckt wurde, wurde damals nicht festgehalten.

Es gibt noch weitere Unklarheiten, etwa die Frage, wofür der Stein verwendet wurde. Der Archäologe Walter Crist von der Universität Leiden zeigte großes Interesse an dieser Frage. Das ist kaum verwunderlich: Er entdeckte den Stein im Jahr 2020 in der Sammlung des Römischen Museums. Zudem ist er Spezialist für antike Spiele:
„Das Aussehen des Steins erinnerte stark an ein Spiel, aber ich erkannte das Muster nicht aus anderen antiken Spielen, die ich kenne.“

Foto: erstellt mit Hilfe von KI.

Sorgfältig verarbeitet

Crist untersuchte den Stein unter einem digitalen Mikroskop, während Luk van Goor aus dem Heerler Restaurierungsatelier Restaura äußerst detaillierte 3D-Scans anfertigte. Diese Scans zeigten auf mikroskopischer Ebene Nutzungsspuren auf dem Stein. Walter Crist erklärt:
„Einige dieser Spuren sind einen Bruchteil eines Millimeters tiefer als andere. Diese Stellen wurden also intensiver genutzt. Außerdem sehen wir, dass die Kanten des Steins sorgfältig verarbeitet sind, was darauf hinweist, dass es sich um ein fertiges Produkt handelt und nicht um einen Stein, der noch weiter bearbeitet werden musste.“

Foto: In den Stein sind vier schräge und eine gerade Linie eingeritzt.

Eine internationale Spurensuche

Es wurde deutlich, dass es sich um ein Spielbrett handelt – ein Spiel, bei dem zwei Spieler, der Jäger und die Beute, versuchen, die Spielfiguren des jeweils anderen zu blockieren. Doch die Forscher wollten mehr: Sie wollten herausfinden, welche Regeln die Römer für dieses Spiel verwendeten.

Die Spurensuche wurde international, als die Teilnehmer des ERC-Projekts Digital Ludeme einbezogen wurden. Dieses Projekt mit der Universität Maastricht als Standort untersucht mit Hilfe von KI antike Spiele. Für jedes Spiel werden die Regeln dokumentiert, fehlende Regeln rekonstruiert und auch die Entwicklung sowie die Verbreitung des Spiels erforscht.

Foto: Spielregeln des römischen Spiels

2.800 antike Spiele

Das Forschungsteam bestand schließlich aus Spezialisten der Universitäten Maastricht, Leiden, Leuven und Adelaide, des Römischen Museums Heerlen sowie des Restaurierungsateliers Restaura. Dem Team gelang es, das 1.500 Jahre alte Rätsel auf eine sehr zeitgemäße Weise zu lösen. Modernste fotografische Methoden wurden eingesetzt, um Nutzungsspuren auf dem Stein zu erkennen. Ebenso modern war die Unterstützung durch das KI-gestützte Spielsystem Ludii der Universität Maastricht.

Die Forscher speisten das System mit den Spielregeln von 2.800 antiken Spielen aus Europa. Durch Suchen und Experimentieren – indem zwei KI-Spieler gegeneinander antreten – errechnete der Computer ein sehr wahrscheinliches (Wissenschaftler bleiben vorsichtig) Regelwerk für das römische Brettspiel. Dieses Regelwerk erhielt den Namen Ludus Coriovalli (Coriovallum (= Heerlen) Spiel).

Foto: Bei Restaura wurde der Stein mit speziellen fotografischen Techniken untersucht.

Weitere Entdeckungen

Der neue Ansatz könnte zu weiteren Entdeckungen führen. „Es ist das erste Mal, dass ein KI-gestütztes simuliertes Spiel in Kombination mit archäologischen Methoden verwendet wurde, um ein Brettspiel zu identifizieren“, erklärt Crist. „Dies gibt Archäologen zusätzliche Möglichkeiten, Spiele aus alten Kulturen zu identifizieren.“

Entdecken Sie die Spielregeln auf der Website des Römischen Museums Heerlen.

 

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