Römische Ziegel in romanischem Kirchenbau
Katholische Pfarrkirche St. Margareta in Kofferen
In römischer Zeit bildeten die zahlreichen Landgüter (villae rusticae) die Grundlage zur Versorgung der kleinstädtischen Zentren in der Region und der Militärlager am Rhein mit Getreide. Als sich die Besiedelung im Mittelalter veränderte und in Dörfern konzentrierte, wurden die römischen Landgüter verlassen und verfielen. Zurück blieb an der Oberfläche meist ein Haufen Ziegel. Diesen Kunststein hatten die Römer als neues Baumaterial in unserer Gegend etabliert. Die römischen Ziegel wurden, genauso wie Metall und Stein, im Mittelalter gerne wiederverwendet.
Ein besonderes Beispiel für die Weiternutzung römischer Dachziegel ist die Südwand der Kirche in Kofferen (Stadt Linnich). Der heutige Kirchenbau stammt aus den 1950er-Jahren, als das Gotteshaus nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wiederaufgebaut wurde. Lediglich die aus der Romanik stammende Südwand blieb erhalten und enthält neben Flusskieseln und Bruchsteinen die typischen hellroten römischen Ziegel. An vielen Stellen ist die markante Randleiste der tegulae im Mauerwerk erkennbar. Am dichtesten sind die flachen Dachziegel in etwa zwei Metern Höhe verbaut, wo sie im Fischgrätenmuster angeordnet wurden und ein stellenweise mehrlagiges Band mit besonderem optischen Reiz bilden. Eine weitere, flache Lage ist weiter unten zu sehen.
Das Wandmuster ist für die Kirche so charakteristisch und bekannt, dass es bei der Gestaltung der Stützmauer um die Pumpe auf dem Vorplatz nachgeahmt wurde.
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- Fotos der Stadt Jülich