Markt 46 (Five Guys) – Spätantikes Kastell und Siedlungskontinuität
Markt 46 (Five Guys), Aachen
Der Name Aquae Granni, der römische Vorläufer des heutigen Aachen, verweist auf den größten Schatz der Stadt: ihre heißen Quellen! Dem mineralhaltigen Wasser wurden schon früh heilende Kräfte zugeschrieben. Granni bezieht sich auf Grannus, eine gallische Gottheit, die mit Gesundheit und Heilung in Verbindung gebracht wurde. Die frühesten Thermenanlagen datieren um die Zeitenwende. Von Anfang an planten die Römer Aachen in großzügigem Maßstab: Bereits bei seiner Gründung besaß der Ort den Charakter einer echten Stadt – mit einer Fläche von 30 Hektar, Holzhäusern, Thermenanlagen und sogar einem steinernen Badgebäude mit Ziegeldach.
Eine Stadt wächst um ihre Thermen
Zu Beginn des 2. Jahrhunderts erlebte Aquae Granni eine umfassende Stadterneuerung. Möglicherweise beabsichtigte Kaiser Trajan, den Vicus zur regionalen Hauptstadt zu erheben – eine Annahme, die durch gestempelte Ziegel und eine Inschrift mit seinem Namen gestützt wird. Die ursprünglichen Thermen wichen einem monumentalen Platz von mehr als 6.000 Quadratmetern, auf dem sich vermutlich ein Forum und ein Tempel befanden. In der gesamten Stadt entstanden neue, monumentale Thermenkomplexe.
Aquae Granni entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kurorte des Römischen Reiches und war das einzige größere Heilbad in der Provinz Germania Inferior.
Das spätantike Kastell am Markt 46
Während sich Aquae Granni zu einem lebendigen urbanen Zentrum mit monumentalen Thermen und einem repräsentativen Forum entwickelte, benötigte die Stadt auch Verteidigungsanlagen zum Schutz ihrer Bevölkerung und Infrastruktur. Am Markt 46 – im Vorraum der Toiletten des Restaurants „Five Guys“ – sind unter einem Glasboden die Reste der Umfassungsmauer des spätantiken Kastells sichtbar, darunter das Fundament eines Rundturms sowie eine anschließende hochmittelalterliche Mauer.
Dieses Kastell wurde im frühen Mittelalter in die Königspfalz integriert und erst im 12. Jahrhundert aufgegeben. Der Fundort verdeutlicht die Kontinuität der Besiedlung in Aachen und verbindet römische Stadtplanung, öffentliches Leben und Befestigungsanlagen mit den mittelalterlichen Nachfolgern.
Das römische Aachen auf der VIA VIA-Route entdecken, 2027
Der Standort Markt 46 ist eine zentrale Station der VIA VIA-Route durch das römische Aachen, die die Ausstellung im Centre Charlemagne mit den archäologischen Spuren im Stadtraum verknüpft. Entlang des Rundgangs lassen sich weitere Höhepunkte entdecken – von römischen Mauern und Fußböden im Elisengarten bis zu den Münsterthermen im Aachener Dom.
Informationstafeln, multimediale Präsentationen und Begegnungen mit römischen „Figuren“ vermitteln anschaulich römische Verwaltung, Stadtentwicklung, Badekultur und das spätantike Kastell. Die erhaltenen Überreste am Markt 46 geben einen greifbaren Einblick in das Verteidigungs- und Alltagsleben Aachens und schlagen eine Brücke von der römischen Stadt zu ihren mittelalterlichen Nachfolgern.
Sind Sie bereit, einen Spaziergang zu machen?
“„Die Stadt riecht nach faulen Eiern“, verzieht Julia das Gesicht. Meine Tochter hat recht. Die Thermen von Aquae Granni mögen heilend sein, doch ihr schwefeliger Gestank ist kaum zu ertragen. Die Badegäste scheint das allerdings nicht zu stören. Unser Wagen bewegt sich nur im Schritttempo vorwärts durch eine Menge schlurfender Menschen und hoch mit Holz beladener Karren. „Das meiste ist für die Bäder“, sagt ein dunkelhäutiger Mann, der neben uns hergeht. „Jeden Tag verschlingen die Thermen und die Fußbodenheizungen der Reichen ein weiteres Stück des Waldes. Die Bäder heilen den Körper, aber nicht die Natur“, seufzt er, bevor er wieder im Gedränge verschwindet. Quintus Iulius ist auf die Idee gekommen, das Quellwasser abzufüllen und auf den Märkten von Germania Inferior zu verkaufen. Ich persönlich freue mich einfach darauf, für ein paar Stunden in das warme Wasser zu gleiten – und mit Menschen aus allen Ecken des Reiches ins Gespräch zu kommen. Vielleicht schnappe ich sogar Neuigkeiten über die Lage in Rom auf. In diesem Jahr scheinen sie dort alle paar Monate den Kaiser zu wechseln. Mord und Enthauptung – nicht einmal das heilsamste Wasser kann so etwas abwaschen.“ – Ammulva Iucunda
Interessant zu wissen
- Das Foto der Glasbodenplatten wurde von der Stadtarchäologie Aachen aufgenommen.