Ausstellung Römisches Bocholtz – Aschenkiste der Dame von Simpelveld
Hoeve Overhuizen - Bocholtz
Aschenkiste von Simpelveld
Datierung: 150–175 n. Chr.
Replik; das Original befindet sich in der Sammlung des Rijksmuseum van Oudheden in Leiden
Diese in Simpelveld entdeckte Aschenkiste aus Sandstein ist mehr als zwei Meter lang und wiegt rund 800 Kilogramm. Zuvor waren auf demselben Baugrundstück an der Stampstraat 51 bereits zwei römische Aschenkisten gefunden worden. Sie waren sehr schlicht und zudem beraubt worden. Auch diese dritte Kiste wies Spuren einer Plünderung auf: Sowohl im Deckel als auch in einer der kurzen Seiten befanden sich Raublöcher. Da Steine, die das Grab abdeckten, in die Kiste gefallen waren, blieben die Brandreste und einige Grabbeigaben dennoch erhalten.
Zu den Grabbeigaben gehörten goldene Schmuckstücke, darunter eine Halskette, Ringe und ein Ohrring, sowie ein kleiner silberner Spiegel, ein Tränenfläschchen, eine sechseckige Glasflasche und einige weitere Gegenstände. Sämtliche Grabbeigaben befinden sich heute in der Sammlung des Rijksmuseum van Oudheden in Leiden. Das Außergewöhnlichste an dieser Aschenkiste waren jedoch nicht die Beigaben, sondern ihre Innenseite.
Die Aschenkiste ist aufgrund ihrer einzigartigen Innenausstattung von besonderer Bedeutung: Ein als Hochrelief ausgeführtes Bildwerk zeigt das Innere eines Raumes. In der Kiste ist außerdem die Seitenansicht einer Villa dargestellt. Meist werden solche Gebäude von vorne gezeigt: mit einem Säulengang, der auf beiden Seiten von einem kleinen Turm flankiert wird. Anhand einer Rekonstruktion vor Ort scheint es, als habe der Bildhauer die Villa aus der Perspektive der Verstorbenen dargestellt. Vielleicht befand sich hinter dieser Mauer ihr Lieblingsplatz im Haus.
Auf einem Speisesofa oder einer Liege ruht eine Dame, bei der es sich wahrscheinlich um die Verstorbene handelt. Sie ist von Möbeln und dekorativen Gegenständen umgeben. Einige der Grabbeigaben sind ebenfalls in der Aschenkiste abgebildet. In den Nischen könnten weitere, möglicherweise geraubte Grabbeigaben gestanden haben. Bei der dargestellten Villa handelt es sich wahrscheinlich um die rund 150 Meter entfernt gelegene römische Villa Simpelveld-De Molt, die vermutlich das Wohnhaus der Verstorbenen war. Dieser archäologische Spitzenfund ermöglicht einen unmittelbaren Einblick in das römische Leben. Rund um die Aschenkiste sind im Informationszentrum Repliken der darin dargestellten Möbel zu sehen: ein Schrank, ein Stuhl, ein kleiner Tisch und eine Liege.
Besonders bemerkenswert ist der Schrank, da er mit Techniken angefertigt wurde, die bereits in römischer Zeit Verwendung fanden. Seine Konstruktion besteht ausschließlich aus traditionellen Holzverbindungen und kommt ohne moderne Befestigungsmittel aus. Auch die Türen verfügen über Scharniere nach römischem Vorbild. Dadurch vermittelt der Schrank einen authentischen Eindruck von der Handwerkskunst und dem Möbelbau der römischen Epoche.
Ausgrabungsgeschichte
Im Jahr 1930 stieß der Bergmann Andreas Wierts beim Bau seines Hauses auf drei römische Aschenkisten. Die dritte erlangte unter dem Namen „Sarkophag von Simpelveld“ große Bekanntheit. Eine Zeit lang konnte die Aschenkiste für ein Eintrittsgeld von 10 Cent an ihrem Fundort besichtigt werden. Schließlich erwarb das Rijksmuseum van Oudheden die Kiste für 8.500 Gulden. Seitdem zählt sie zu den herausragenden Objekten der nationalen römischen Sammlung der Niederlande.