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Markt/Rathaus (Nordostecke) – Römische Steine in der karolingischen Königshalle

Markt/Rathaus, Aachen

Der Name Aquae Granni, der römische Vorläufer des heutigen Aachen, verweist auf den größten Schatz der Stadt: ihre heißen Quellen! Dem mineralhaltigen Wasser wurden schon früh heilende Kräfte zugeschrieben. Granni bezieht sich auf Grannus, eine gallische Gottheit, die mit Gesundheit und Heilung in Verbindung gebracht wurde. Die frühesten Thermenanlagen datieren um die Zeitenwende. Von Anfang an planten die Römer Aachen in großzügigem Maßstab: Bereits bei seiner Gründung besaß der Ort den Charakter einer echten Stadt – mit einer Fläche von 30 Hektar, Holzhäusern, Thermenanlagen und sogar einem steinernen Badgebäude mit Ziegeldach.

 

Eine Stadt wächst um ihre Thermen

Zu Beginn des 2. Jahrhunderts erlebte Aquae Granni eine umfassende Stadterneuerung. Möglicherweise beabsichtigte Kaiser Trajan, den Vicus zur regionalen Hauptstadt zu erheben – eine Annahme, die durch gestempelte Ziegel und eine Inschrift mit seinem Namen gestützt wird. Die ursprünglichen Thermen wichen einem monumentalen Platz von mehr als 6.000 Quadratmetern, auf dem sich vermutlich ein Forum und ein Tempel befanden. In der gesamten Stadt entstanden neue, monumentale Thermenkomplexe.

Aquae Granni entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kurorte des Römischen Reiches und war das einzige größere Heilbad in der Provinz Germania Inferior.

 

Römische Spolien in der karolingischen Königshalle

Der Wohlstand von Aquae Granni spiegelt sich nicht nur in seinen Thermen und dem monumentalen Forum wider, sondern auch im Reichtum seiner Bürgerinnen und Bürger. An der Nordostecke von Markt/Rathaus wurden mehrere römische Steinblöcke später im karolingischen Mauerwerk der Königshalle (aula regia) wiederverwendet.

Darunter befindet sich auch das Fragment eines römischen Grabmonuments mit Resten einer Inschrift sowie einem dekorativen Weinrankenfries. Diese Steine bilden eine anschauliche Verbindung zwischen der römischen Stadt und ihren mittelalterlichen Nachfolgern. Sie zeigen, wie Materialien und Erinnerung an das römische Aachen in das fortdauernde städtische Leben integriert wurden.

 

Das römische Aachen auf der VIA VIA-Route entdecken, 2027

Dieser Ort ist Teil der VIA VIA-Route durch das römische Aachen, die Besucherinnen und Besucher durch die historische Innenstadt zu bedeutenden archäologischen Stationen führt. Entlang des Weges machen Sichtfenster und Rekonstruktionen verborgene Spuren des römischen Aachen sichtbar – von Mauern und Fußböden im Elisengarten bis zu den Münsterthermen im Aachener Dom.

Informationstafeln, multimediale Präsentationen und Begegnungen mit römischen „Figuren“ lassen die Geschichte der Stadt lebendig werden und vermitteln Einblicke in römische Verwaltung, Stadtentwicklung und Badekultur. Die wiederverwendeten römischen Steine am Markt/Rathaus schlagen dabei eine Brücke zwischen der römischen Siedlung und späteren Epochen und verdeutlichen die Kontinuität des städtischen Lebens in Aachen über Jahrhunderte hinweg.

 

Sind Sie bereit, einen Spaziergang zu machen?

“„Die Stadt riecht nach faulen Eiern“, verzieht Julia das Gesicht. Meine Tochter hat recht. Die Thermen von Aquae Granni mögen heilend sein, doch ihr schwefeliger Gestank ist kaum zu ertragen. Die Badegäste scheint das allerdings nicht zu stören. Unser Wagen bewegt sich nur im Schritttempo vorwärts durch eine Menge schlurfender Menschen und hoch mit Holz beladener Karren. „Das meiste ist für die Bäder“, sagt ein dunkelhäutiger Mann, der neben uns hergeht. „Jeden Tag verschlingen die Thermen und die Fußbodenheizungen der Reichen ein weiteres Stück des Waldes. Die Bäder heilen den Körper, aber nicht die Natur“, seufzt er, bevor er wieder im Gedränge verschwindet. Quintus Iulius ist auf die Idee gekommen, das Quellwasser abzufüllen und auf den Märkten von Germania Inferior zu verkaufen. Ich persönlich freue mich einfach darauf, für ein paar Stunden in das warme Wasser zu gleiten – und mit Menschen aus allen Ecken des Reiches ins Gespräch zu kommen. Vielleicht schnappe ich sogar Neuigkeiten über die Lage in Rom auf. In diesem Jahr scheinen sie dort alle paar Monate den Kaiser zu wechseln. Mord und Enthauptung – nicht einmal das heilsamste Wasser kann so etwas abwaschen.“ – Ammulva Iucunda

Interessant zu wissen

Das Foto des Mauerfragments stammt aus Stadtarchäologie Aachen.

Kontakt

Webseite des Centre Charlemagne