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Sandstein-Aschenurne der Dame von Simpelveld

Lange Graaf, Simpelveld

Eingebettet in die sanften Hügel Südl Limburgs liegt Simpelveld im Herzen einer der reichsten römischen Landschaften der Niederlande. Vor fast zweitausend Jahren gehörte diese fruchtbare Region zur römischen Provinz Germania Inferior, durchzogen von der wichtigen Via Belgica und gespickt mit wohlhabenden Villenanwesen. Archäologische Funde in und um Simpelveld zeigen eine florierende Landelite, deren römische Lebensweise bleibende Spuren in der Landschaft hinterlassen hat.

Von luxuriösen Villen und Grabmonumenten bis hin zu außergewöhnlichen Bestattungsfunden wie der Dame von Simpelveld und dem Herrn von Bocholtz ist die römische Vergangenheit hier besonders persönlich.

 

Die Dame von Simpelveld

Simpelveld, Dezember 1930.
Beim Pflügen seines Feldes stößt ein ortsansässiger Bauer auf einen Stein – oder glaubt es zumindest. Was er freilegte, war kein gewöhnlicher Stein, sondern eine fast zwei Meter lange Sandstein-Aschentrage. Grabräuber hatten Löcher in die Seite gebohrt, doch ein Teil der Grabbeigaben blieb erhalten: Goldschmuck, ein Silberspiegel, eine Glasflasche, ein Tongefäß… Am Boden lagen die verbrannten Überreste einer Frau.

Dieser bemerkenswerte Fund wurde als die Dame von Simpelveld bekannt. Ihre Urne ist außergewöhnlich, nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der Dekoration: Innen ist eine reliefierte Szene dargestellt. Selten, denn in der römischen Praxis wurden Reliefs meist außen angebracht.

Das Hochrelief zeigt das Innere einer Kammer. Eine Frau – die Verstorbene – liegt auf einer Liege. Sie ist umgeben von einem Stuhl, einer Truhe, Regalen, einem Beistelltisch und einem Schrank mit zwei Türen. Möbel aus Holz in Stein gemeißelt. Dank dieser Truhe können Archäologen endlich erkennen, wie solche Möbel einst aussahen. Am Fußende der Liege ist auch eine römische Villa dargestellt. Sieben Jahre später wurden Spuren einer römischen Villa in der Nähe des Fundortes entdeckt, die perfekt mit der Darstellung auf dem Sarkophag übereinstimmen.

Heute wird der originale Sarkophag im Rijksmuseum van Oudheden in Leiden aufbewahrt; eine Kopie des Originals befindet sich im Informationszentrum Hoeve Overhuizen. Er bleibt einzigartig in der römischen Welt: eine persönliche Innenszene, in ewigen Stein verwandelt. Die Dame von Simpelveld lehrt uns, dass der römische Lebensstil der Villabewohner sogar bis in den Tod fortgesetzt wurde. Die Überreste der Verstorbenen wurden in Steinkistchen oder hölzernen Grabkammern beigesetzt, die sich innerhalb monumentaler ummauerter Gräber bei der Villa befanden. Weniger wohlhabende Gräber wurden hingegen nur durch Gräben oder Einfriedungen markiert.

Gegenüberliegende Bank: Lange Graaf 7
6369 CX
Simpelveld
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