Neues Zuhause für Heerlenser „Nachtwache“ ist ein sensibles Mega-Projekt

Autor: Harry Lindelauf
Fotografie: Het Romeins Museum

Das römische Badehaus in Heerlen ist ein empfindliches und wertvolles Kulturerbe. In dieser sensiblen Umgebung müssen die Bauarbeiten bis zum Sommer 2028 abgeschlossen sein — nach vier Jahren Abriss, Erneuerung und Neubau, um dem archäologischen Schatz eine gut geschützte Zukunft zu geben.

Wer außergewöhnliche Herausforderungen liebt, hätte sich bei den Teams bewerben sollen, die das Thermenmuseum in Heerlen durch das Römische Museum ersetzen. Denn wie schützt man empfindliche und monumentale Überreste von etwa 1.800 Jahren Alter vor herabfallenden Steinen, Maschinenerschütterungen oder Veränderungen der Luftfeuchtigkeit und Temperatur?
Ein Expertenteam aus Museum, Stadtverwaltung, Bauunternehmen und dem niederländischen Amt für Kulturerbe entwickelte gemeinsam einen Plan, um das Badehaus während der Bauarbeiten sicher zu schützen.

In sichere Lagerung

Nachdem die Schutzmaßnahmen genehmigt worden waren, wurde — Sicherheit geht vor — zunächst ein Test durchgeführt. Dabei wurden zuerst Decken über die Überreste gelegt und anschließend eine Holzverschalung errichtet, die mit Folie abgedeckt wurde. Es zeigte sich, dass diese Verpackung für eine bessere und stabilere Luftfeuchtigkeit sowie Temperatur sorgte. Genau das, was das Monument benötigt und woran es dem alten Gebäude mangelte.

Für den großen Mittelteil wurden ebenfalls Decken verwendet, doch aufgrund der Größe wird hier ein großes Gerüst über den Badehausresten errichtet. Das Gerüst schützt die Überreste und dient gleichzeitig als Arbeitsplattform für die Dachkonstruktion. Der übrige Teil der Sammlung mit rund 40.000 Objekten wurde ebenfalls sorgfältig verpackt und in ein sicheres Depot gebracht.

Von IKEA-Gelb zu „Nachtblau“

Erst nachdem der Schutz des Badehauses abgeschlossen war, konnte mit dem Abriss des Betonturms begonnen werden, in dem bis 2023 das Archiv von Rijckheyt untergebracht war. Um den Turm in dieser sensiblen Umgebung sicher entfernen zu können, wurde eine XXL-Abbruchschere eingesetzt. Auch der Eingangsbereich, die Büros und die Museumssäle wurden inzwischen abgerissen.
Zwar entsteht ein neues Museumsgebäude, doch nicht alles vom alten Thermenmuseum wird verschwinden. Die Keller an Vorder- und Rückseite bleiben erhalten. Dort werden unter anderem die neuen technischen Anlagen, Arbeitsräume und das Depot für das Sammlungsmanagement untergebracht.
Auch der Stahlrahmen für das Dach über dem Badehaus bleibt bestehen: Er ist besonders, weil er den gesamten Raum der Badehausreste ohne störende Säulen überspannt. Diese Konstruktion aus dem Jahr 1977 bleibt also erhalten, allerdings wird das IKEA-Gelb in ein dezenteres „Nachtblau“ umgestrichen.

Keramische Fassadenverkleidung

Auch die vier Säulen des Archivturms bleiben erhalten. Im Neubau, entworfen von Kraaijvanger Architects und TomDavid Architecten, werden sie die „mansio“ tragen — mit Ausstellungsräumen und Bildungsbereichen. Die Architekten integrierten zahlreiche Hinweise auf die römische Vergangenheit in ihren Entwurf. Ein Beispiel dafür ist die besondere Fassadenverkleidung der mansio. Sie besteht aus keramischen Paneelen, die je nach Sonneneinstrahlung ihre Farbe verändern. Auch die Form der Paneele ist eine Hommage an die Töpfer des römischen Heerlen, von denen ein gewisser Lucius inzwischen besonders bekannt geworden ist — dank des Kruges, den er für Amaca gefertigt hat. Dieser wird zweifellos ab Sommer 2028 im neuen Museum zu sehen sein.

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